Mode zerstört unsere Umwelt – was dagegen hilft

vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Kaum eine moderne Konsum-Gewohnheit schadet der Umwelt so sehr wie unsere Liebe zur Mode. Aber das muss nicht so bleiben. Ein Siegel hilft, umweltschonend hergestellte Kleidung und verantwortungsbewusste Unternehmen zu erkennen.

Wollen Sie die Umwelt zerstören? Vermutlich nicht, aber die meisten von uns tragen ungewollt zur Umweltverschmutzung bei. Und zwar, wenn sie nach einem Blick in den Kleiderschrank feststellen: Eigentlich gar nichts zum Anziehen, ich muss was Neues kaufen. Unsere Liebe zur Mode schadet der Umwelt massiv. Und zwar auf allen Etappen der Herstellung, von der Produktion über den Transport in den Laden, von der Verwendung bis zur Entsorgung. 

Die Textilindustrie verbraucht laut der britischen Nichtregierungsorganisation Ellen MacArthur Foundation 98 Millionen Tonnen nicht erneuerbare Ressourcen, wie zum Beispiel Öl zur Herstellung synthetischer Fasern aber auch alleine 93 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr. Für die Herstellung eines einzigen Baumwoll-Shirts werden laut Water Footprint Network 2500 Liter Wasser benötigt. 

Leichtere Orientierung durch staatliches Siegel 

Laut Ellen MacArthour Foundation war die Treibhausgas-Emission der Textilindustrie 2015 höher als die der internationalen Luft-und Schifffahrt zusammen. Ganz zu schweigen vom gigantischen Müllberg aus entsorgter Kleidung. Die Boston Consulting Group prognostiziert für 2030 weltweit 148 Millionen Tonnen Kleidermüll.  

Ein tiefgreifender Wandel ist nötig: Im Laden müssen wir leichter erkennen können, welche Kleidung umweltschonender hergestellt wurde. Unternehmen müssen sich zu einer Herstellungsweise verpflichten, die Umwelt und Natur möglichst wenig belastet – überprüfbar anhand von nachvollziehbaren Kriterien. Das ermöglicht das staatliche Textilsiegel der „Grüne Knopf“ schon heute.  

Für das Siegel werden Unternehmen und Produkt nach insgesamt 46 Kriterien überprüft. 26 dieser Kriterien beziehen sich dabei auf die soziale und ökologische Herstellung der Textilien. Neben der Umwelt wird also auch überprüft, ob soziale Kriterien, wie die Zahlung von Mindestlöhnen oder das Verbot von Kinderarbeit eingehalten werden. Zudem muss das Unternehmen anhand von weiteren 20 Unternehmenskriterien nachweisen, dass es seiner menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflicht in der Textillieferkette nachkommt. 

Für Käuferinnen und Käufer bedeutet das: Sieht man den „Grünen Knopf“ an einem Kleidungsstück, wurden bei der Herstellung keine gefährlichen Chemikalien verwendet und das Unternehmen hat sich verpflichtet, kontinuierlich die Luftverschmutzung und insbesondere Treibhausgas-Emissionen zu überwachen.  

Sind Tenside oder Weichmacher enthalten, müssen sie biologisch abbaubar sein. Das Unternehmen muss sich außerdem an internationale Standards wie die „ZDHC Wastewater Guidelines“ halten. Sie schreiben vor, wie Textilunternehmen ihren Klärschlamm und Abwasser aufbereiten sollten, um die Umweltbelastung so möglichst gering zu halten.  

Ist die Kleidung aus Naturfasern, kann man sicher sein, dass sie entweder aus Ökolandbau stammen oder dass sie das Verbot gefährlicher Pestizide einhalten und auf agrochemische Rückstände geprüft werden. Bei Chemiefasern steht der „Grüne Knopf“ dafür, dass die Fasern aus einem nachhaltigen Beschaffungsprozess stammen.  

Unternehmen müssen künftig noch genauer hinschauen 

Umweltschutz wird den Konsumentinnen und Konsumenten immer wichtiger. Und so entwickelt sich auch der „Grüne Knopf“ weiter. Von Beginn an wurden die Produktionsstufen „Zuschneiden und Nähen“ sowie „Bleichen und Färben“ überprüft. Gerade beim Färben ist die Umweltverschmutzung sonst besonders schlimm, deswegen war es wichtig, diesen Schritt von Anfang an mit aufzunehmen. 

Ab der nächsten Phase geht die Überprüfung der Unternehmens- und Produktkriterien weiter und wird sukzessiv um „Weben und Spinnen“ und „Faserproduktion/Baumwollanbau“ erweitert.  

Unsere Liebe für Mode schafft Arbeitsplätze: Mehr als 60 Millionen Menschen arbeiten weltweit in der Textilindustrie, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Das ist an sich etwas Gutes. Damit diese Menschen aber auch angemessen bezahlt werden und wir shoppen können, ohne zur Umweltverschmutzung in diesen Ländern beizutragen, müssen sich die Unternehmen an grundsätzliche Regeln halten. Der „Grüne Knopf“ nimmt die Unternehmen in die Verantwortung – und gibt uns Orientierung beim Einkaufen.

Der Grüne Knopf ist das staatliche Siegel für sozial und ökologisch hergestellte Textilien. Das Ziel des Grünen Knopfs: Schutz von Mensch und Umwelt bei der Herstellung von Kleidung. Das Siegel finden Sie direkt an Produkten wie T-Shirts und Jeans oder auch an Rucksäcken und Handtüchern.

15.9.2020

www.gruener-knopf.de