Themenbereich Ernährung und Landwirtschaft

Das System Milch

Wie geht Bewusstseinswandel? Publizisten, Journalisten und Filmemacher können wesentliche Bewusstseinsanstöße liefern, so wie Erwin Wagenhofer mit „We feed the world“ über die industrialisierte Nahrungsmittelproduktion (2005), Al Gore mit „Eine unbequeme Wahrheit“ über den Klimawandel (2006) oder unlängst die britische Filmproduktion über die Vermüllung der Ozeane.

In der ARD wurde im Juni 2021 die Arte-Produktion „Das System Milch“ aus dem Jahr 2017 einem breiten Publikum präsentiert, in der ein realistisches Bild dieses Wirtschaftszweiges gezeichnet wird. Wesentliche ökonomische Grundbegriffe wie Effizienzsteigerung, Wachstum, ökologische und gesundheitliche Aspekte, das Wohlergehen von Mensch und Tier, Konkurrenzdruck, die Macht von Preisen und Märkten werden hier anschaulich verdeutlicht. Zentrale Aussagen sind im Textauszug wiedergegeben und können damit gründlich bearbeitet werden.

Der Film ist verfügbar bei YouTube unter „Das System Milch – ganze Doku“ (90 Minuten)

>>Textauszug zur Vor- und Nachbereitung

Das Bruderkalb: Ein Beitrag zur Lösung des Milchmarktdilemmas

von Jochen Ketels

Wer Butter, Käse, Milch und Joghurt zu sich nehmen möchte, sollte sich klarmachen, dass Kühe nur dann Milch geben, wenn sie jedes Jahr ein Kalb bekommen. Davon ist aber jedes zweite im Sinne der Milchwirtschaft ein nutzloses männliches Tier. Diese werden sofort nach der Geburt unter Trennungsschmerzen von ihrer Mutter separiert, müssen die Milch aus Eimern trinken und werden dann nach einem qualvollen Transport oftmals durch ganz Europa zu Kalbfleisch verarbeitet. Manche Biobetriebe wollen diese Praxis jetzt mit der „kuhgebundenen Aufzucht“ ändern.

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Von Bio zu regenerativer Landwirtschaft

von Julius Palm

„Erst später stieß ich auf den Begriff der regenerativen Landwirtschaft, welcher als Grundgedanke allen Projekten gemein ist. Es geht darum, wie wir den Ökosystemen etwas zurückgeben können statt ihnen lediglich Ressourcen zu entziehen. Wie Lebensmittelproduktion mit der Natur – statt gegen sie – funktionieren kann. Wie Mensch und Ökosystem in ein positives und produktives Verhältnis treten können. Eine Lebensmittelproduktion, die Fruchtbarkeit, Diversität, Produktivität und Stabilität nicht ab-, sondern aufbaut. Die in Kreisläufen denkt und den Ökosystemen nicht nur entnimmt, sondern auch zurückgibt. Eine geniale und wünschenswerte Vision, oder nicht? Dieser Kerngedanke bricht mit dem Narrativ industrialisierter Gesellschaften der letzten 150 Jahre…“

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Die Milchmaschine

Warum stehen heute viele Landwirte vor dem Ruin? Und warum leben die Hochleistungskühe von heute nicht mehr lange?
„Mein Vater hatte seinen Bauernhof so geführt, wie es damals üblich war. Im Winter standen die Kühe im Stall, den Sommer verbrachten sie auf der Weide. Jeden Morgen und jeden Abend fuhr mein Vater mit dem Trecker die zwei Kilometer zu ihnen hinüber. Die Kühe trotteten zum Futterwagen, und während sie das geschrotete Getreide fraßen, das von unseren eigenen Feldern stammte, schloss mein Vater eine Vakuumpumpe an die Zapfwelle des Treckers an, die für Unterdruck in den drei Melkgeschirren sorgte. Viel Aufwand für ein paar Liter Milch. Ließ sich das nicht rentabler gestalten?“
Heute wird das gemacht. Die ca. 200 Milchkühe werden in einer Art begehbarer Maschine, einem „20er swing-over side-by-side Melkstand“ gemolken, in den 20 Kühe gleichzeitig hineinpassen, mit Chip am Halsband und von computergesteuerten Futterautomaten während des Melkens versorgt.
„Milchkühe können bis zu 20 Jahre alt werden. Die typische deutsche Hochleistungskuh stirbt jung. Sie wird gerade mal zwei oder drei Jahre gemolken und dann geschlachtet. Meistens, weil sie krank ist. Die Tiere leiden an Euter- und Klauenentzündungen, an Stoffwechselkrankheiten und Fruchtbarkeitsstörungen: Es ist schlicht die Strapaze. Die Tiere sind dem Leistungsdruck nicht gewachsen.“
Die Folgen der Effizienzrevolution: „Die vermeintliche Effizienz ihrer Höfe hat die Bauern nicht reicher gemacht. Im Gegenteil, sie hat zu einer absurden Lage geführt: Die Hochleistungskühe geben so viel Milch, dass sie davon krank werden. Mehr Milch als je zuvor.“

Und der Marktmechanismus sorgt für die fallenden Preise. „Also passiert das, was immer passiert, wenn auf einem freien Markt das Angebot größer ist als die Nachfrage: Die Preise fallen. Und fallen. Und fallen. Und die Bauern, die ja nicht einfach aufhören können zu melken, denn die Kühe sind ja da, die Euter sind ja voll, verdienen mit ihrer Milch kein Geld mehr. Im Gegenteil, die Produktionskosten sind längst höher als die Erlöse. Ein durchschnittlicher Bauer macht mit jedem Liter Milch, den ihm seine Kühe liefern, mehr als zehn Cent Verlust. Die Bauern verlieren also jeden Tag Geld. Dabei müssen sie den Banken eigentlich dringend Geld zurückzahlen.“
„Der niedrige Milchpreis aber geht nicht von allein vorüber. Er entspringt keiner kurzzeitigen Krise. Sondern einem kranken System, das permanente Produktionssteigerungen mit Wohlstand gleichsetzt.“
Wie kann dieses System geändert werden?

aus: Tanja Busse: Die Milchmaschine, ZEIT-Online vom 30.6.2016, verfügbar unter https://www.zeit.de/2016/26/landwirtschaft-milchbauern-kuehe-produktion (für ZEIT-Abonnenten kostenfrei)

Das Schicksal des Lachses

Hannes Jaenicke im Interview

Lachs schmeckt und ist nahrhaft, für immer mehr Menschen ist dieser Leckerbissen verfügbar geworden. Doch was sind die Folgen? Dass massenhafte Produktion und Konsum die Lebensbedingungen des Fisches fundamental verändern, wird erst klar, wenn sich engagierte Menschen des Themas annehmen, in diesem Fall der Dokumentarfilmemacher Hannes Jaenicke Die Folge: wenn es Fisch und Natur gut gehen soll, dann darf der Mensch nicht alles tun, was ihm gefällt.

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Konsumentenmacht

Wie wir uns über unseren Speisefisch informieren können

Dass unsere Kaufentscheidungen eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung des Wirtschaftslebens spielen, ist mittlerweile allgemein bekannt. Daraus erwächst allerdings ein neues Verantwortungsbewusstsein: wir müssen noch viel über die Produktions- und Handelsbedingungen lernen.
Zum Beispiel Seelachs: nach dem Ratgeber des WWF ist es unbedenklich, Seelachs aus MSC-zertifiziertem Wildfang zu konsumieren. Doch da die Bewertung bei vielen Fischarten von der Herkunft und den Fangmethoden abhängt, sind transparente Lieferketten nötig.

Quelle: Maritime Stewardship Council (MSC), Followfish, WWF

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Tödliche Freundschaft

Florian Schwinn im Radiogespräch

Der Journalist Florian Schwinn berichtet aus eigenem Erleben von der Industrialisierung der Landwirtschaft. Er plädiert für eine respektvolle Tierhaltung und begründet, warum wir nicht ohne sie leben können.

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Globales Problem: „Lock-down“ lässt Bienen nicht abheben

Ein Beitrag des Österreichischen Rundfunks

Auch in der Imkerei zeigen die Einschränkungen durch Corona die Schwachstellen einer ertragsorientierten Wirtschaftsweise auf: die üblichen Bienentransporte begünstigen die Ausbreitung der Varroamilbe. Bienen seien Wildtiere und keine Betriebsmittel.

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